Telecom e.V.
05.10.2016

Vorwort zur Oktoberausgabe der TC-Info

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

die Europäische Union hat ihr neues Paket für die Überarbeitung und Veränderung der Rahmen­regeln für die elektronische Kommunikation Mitte September der Öffentlichkeit vorgestellt und wartet auf des Feedback der europäischen Öffentlichkeit, der Bürger, der Parlamente, der Regierungen und der Wirtschaftsverbände (https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/connectivity-european-gigabit-society). Gerade letztere haben in einer internetbasierten Anhörung  bereits im Frühjahr Ihren Bedarf für die elektronische Kommunikation der Zukunft artikulieren können. Letztlich waren auch Sie aufgerufen, sich zu äußern. Selbst wenn Sie sich nicht beteiligt haben – wir haben es. Im Ergebnis wird ein deutlich höherer Bedarf an Bandbreite artikuliert, als es die Kupfer-Veredelungs-Strategie der Deutschen Telekom vorsieht. So fordert die EU-Kommission heute den Ausbau einer Breitband-Infrastruktur, die Techniken bis 1 Gbit/s für das kommende Jahrzehnt ermöglichen. Dazu muss man heute Glasfaser bis in die Gebäude hinein ausbauen – vielleicht haben wir dann eine flächendeckende Infrastruktur bis Ende des nächsten Jahrzehnts. Der viel Kritisierte Vectoring II Beschluss der Bundesnetzagentur gibt der DT das Monopol auf die Nutzung der Kupferdoppeladern im Nahbereiche für die Nutzung mit hohen Frequenzen zurück und verhindert damit im Ergebnis den ökonomisch tragfähigen Ausbau in den dünner besiedelten Gebieten. Die im Gegenzug erfolgte Selbstverpflichtung der DT für den Breitbandausbau beschränkt sich einerseits auf nur 80% der Bevölkerung – damit wird mehr als die Hälfte der Fläche unseres Landes nicht bedient! Andererseits verpflichtet sie sich nur, die bestehenden Kupferkabel bis zu maximal 100 Mbit/s zu veredeln. In beiden Aspekten völlig unzureichend. Das kann doch eigent­lich unsere Wirtschaftspolitiker nicht ruhen lassen. Mal sehen, was sie in dem kommenden Wahlkampf dann wieder alles versprechen, unter Zuhilfenahme unserer Steuergelder. Doppel­förderungen? Das wäre leider nichts Neues. Denn wir bezahlen mit unserem TAL-Entgelt für jeden Telefon- Internet- und Mietleitungsanschluss an die Deutsche Telekom 4 Mrd. € Jahren pro Jahr, die für die Erneuerung der Anschlussnetze gedacht sind, dafür aber leider nicht verwendet werden. Das hätte seit Ende des Monopols 1998 längst ausgereicht, Deutschland mit Glasfaser FTTH zu versorgen. Das Geld wurde anderweitig verprasst.

Gibt es gleichgelagerte Fälle? Ja, schauen wir nach Griechenland, wo die griechische Regulierungsbe­hörde EETT dem national marktbeherrschenden Anbieter OTE in einer Vectoring-Anhörung nach dem Mund zu reden scheint und ihm ein Monopol in allen KVz einrichten will, die dieser in den kommen­den 2 Jahren ausbauen kann. Die Wettbewerber bekommen den unattraktiven Rest. Da wird die unselige Strategie aus Deutschland verschlimmbessert nach Griechenland exportiert und von der Deutschen Telekom massiv unterstützt. Warum? OTE gehört der Deutschen Telekom. Das Land bekommt, anders als beispielsweise Portugal oder Spanien, eine telekommunikative Sackgasse. Mit dem jetzt erst beginnenden Ausbau einer unzureichenden Infrastruktur wird ein wirtschaftlicher Aufschwung erschwert – wenn nicht gar verhindert. Armes Griechenland, bleib weiter arm? Unsere Außen- und EU-Politik, Hand in Hand mit dem Finanzminister, müssten aufschreien! Vielleicht erinnert sich ja mal jemand dort, dass er wesentlicher Aktionär der Telekom ist.

Aus Brüssel ist neben den Breitbandaussichten des Festnetzes aber auch eine massive Unter­stützung von 5G Mobilfunknetzen angekündigt. Sehr sinnvoll! Diese sind keine Substitut für das Festnetz. 5G bleibt ein Komplement zum Festnetz und ergänzt es. Dort stehen uns noch jede Menge faszinierender Optionen und Visionen telekommuni­kativer Art bevor. 5G zu fördern heißt Netze zu fördern, die ganz andere Kundengruppen und Bedürfnisse fördern, die mit dem Festnetz nicht befriedigt werden können. Auch hier muss sich die Erkenntnis in der Förderpolitik noch wandeln.

Es bleibt uns viel Raum, uns zu engagieren.

Einen schönen und spannenden Herbst wünscht Ihnen

 

Thomas Plückebaum

 

Hier die aktuelle Ausgabe der TC-Info (nur für Mitglieder):

TC-Info Oktober 2016

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