Telecom e.V.
08.08.2017

Alles klar mit der Virtualisierung?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Virtualisierung gibt es in unserem Job in vielerlei Richtung. Kaum noch etwas ist real, manchmal nicht einmal mehr die Ergebnisse, und seien sie Unsinn. Da gibt es den Trend zur Virtualisierung der Server-Welten schon seit längerer Zeit. Die Urviecher von uns erinnern sich vielleicht noch an die Virtuellen Maschines (VM) der IBM. Das liegt in einer Linie. Es gibt virtuell mehr Rechner als real - und das macht die Welt einfacher und Rechenleistung besser skalierbar. Jetzt geht es um die Virtualisierung der Netze - die Netzknoten werden funktional auseinandergenommen und die logischen Funktionen werden an andere Stellen verlagert, auf virtuelle Maschinen, sozusagen als virtuelle Steuerung der Netzknoten, die aber immer noch über konkrete Schaltsysteme und Kabel die Informationen austauschen. Dazwischen könnten jedoch auch schon virtuelle Netze liegen - VPN. Um noch einen draufzusetzen haben kluge Regulierer vor nunmehr 7 Jahren den Virtuellen Teilnehmeranschluss definiert, den VULA (Virtual Unbundled Local Access). Der soll dort, wo die physische Entbündelung - auf der der Wettbewerb in der Telekommunikation bisher beruhte - aus technischen und/oder ökonomischen Gründen nicht realisierbar ist, ein der phyischen Entbündelung möglichst nahe kommender Ersatz sein, insbesondere im Hinblick auf die Produktgestaltungsfreiheit der Zugangsnachfrager, die sich ja gerade bei Nutzung der physischen Entbündelung in der Qualität des Netzzugangs deutlich unterscheiden können. Wir sind jetzt VULA Spitzenreiter in Europa! Nein, nicht was die Zahl der Nachfrager angeht - da liegen wir immer noch bei 0 - aber was die Anzahl verschiedener VULA angeht. Da haben wir jetzt drei: den Vectoring 1 KVz-Verdrängungs-VULA, den Vectoring 2 Nahbereichs-VULA und den Förder-VULA. Alle drei unterscheiden sich bzgl. ihrer Leistungsmerkmale, im Prinzip nach Gebieten. Die TAL war dort noch überall gleich. Der Clou aber wird sein, dass keiner diese Produkte kaufen wird. Sie werden nämlich nur am KVz übergeben. Und dort sind sie, wie die Erfahrungen aus den Nachbarländern zeigen, unwirtschaftlich. Also sind sie gar kein VULA, weil sie das Erfordernis der Wirtschaftlichkeit gar nicht erfüllen. In den anderen Ländern gibt es den erfolgreichen VULA nur am BNG. Das geht in Deutschland jedoch nicht, weil ein VULA nur lokal übergeben werden darf, und nicht regional. Wieso das in den anderen Ländern geht, bei uns allerdings nicht, weiß niemand so genau, allenfalls die BNetzA. Es geht halt nicht, und so kann der Wettbewerb nur auf den qualitativ schlechteren L2 Bitstrom ab BNG zurückgreifen. Eine Produktdifferenzierungsmöglichkeit wie beim Förder-VULA existiert daher nur auf dem Papier – aber immerhin gibt es ihn dort schon mal.

Alles klar mit der Virtualisierung? Vielleicht sollten wir uns doch in einem nächsten AK-Regulierung damit intensiv auseinandersetzen. Mitmachen bringt Durchblick –

Schöne Sommerzeit – hoffentlich ohne virtuelle Wahnphantasien, Ihr

 

Thomas Plückebaum

 

 

 

Die aktuelle Ausgabe unserer TC-Info finden Sie wie gewohnt im Mitgliederbereich:

http://telecom-ev.com/category/tc-info/

Schreibe einen Kommentar

Telecom e.V. bei Twitter

Archive