Telecom e.V.
01.07.2019

Die Glocken haben geläutet

Liebe Leserinnen und Leser,

die Glocken haben geläutet – die Frequenzversteigerung ist zu Ende. Wieder einmal, diesmal für 5G, unsere neue Mobilfunkgeneration, die im Prinzip sehr schillernd ist und alles können soll. Hohe Kapazitäten (bis 10 Gbit/s), kurze Verzögerungszeiten (ms), jede Menge Teilnehmer und nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen und Sensoren, zudem höchste Verfügbarkeit. Da die Technik zudem virtuelle Netze unterstützen soll/muss/kann, liegt es nahe, diese Eigenschaften nicht alle in ein Netz zu packen, sondern in mehrere (virtuelle).

Die 5G Technik eignet sich zur Nutzung in allen Frequenzbereichen, die bereits auf dem Markt für Mobilkommunikation zur Verfügung stehen, von 700 bis 2.200 MHz, und für neu angedachte Frequenzbereiche im Bereich 3.500 bis 60.000 MHz. Davon standen in der abgelaufenen Versteigerung Frequenzblöcke in den Frequenzbereichen 2 GHz (2.000 MHz) und 3,6 GHz zur Vergabe. Darüber hinaus stehen noch Blöcke in den Bereichen 3,7 – 3,8 GHz und 60 GHz zur direkten Vergabe auf Antrag an. Diese sind für regionale Anwendungen reserviert, für Campus-Lösungen der Industrie, regionale Lösungen in der Landwirtschaft oder Ökologie, smarte Gebiete oder regionale Netzbetreiber…

Natürlich haben die Frequenzen unterschiedliche Ausbereitungscharakteristika. Je niedriger die Frequenz, desto höher die Reichweite und desto besser die Indoor-Penetration. Je größer ein Frequenzblock, desto mehr Übertragungskapazität bietet er. Große Frequenzblöcke gibt es vor allen bei den höheren und hohen Frequenzen. Dies ist vor allem im Zusammenhang mit den Versorgungsauflagen relevant, die diese Auktion begleiteten, zumeist unter dem Stichwort Funklöcher. Es standen Frequenzen zur Versteigerung, die nur relativ kleine Gebiete abdecken können. Die Funklockdiskussion gerade an diesen Frequenzen festzumachen ist eine politische Vergewaltigung der Physik, die nur zu Ineffizienzen führen kann – und zu hohen Kosten.

Diese Kosten sollte man trennen von dem Versteigerungserlös von 6,55 Mrd €, ein unerwartet hohes Ergebnis, dass sich aber auf 4 Unternehmen aufteilt. Mit 1&1 Drillisch ist ein neuer Betreiber in den Markt eingetreten, der bisher im Mobilfunk keine Assets besaß und keine Funktürme sein eigen nennt. Gut ist, dass nach der Verschmelzung der E-Plus mit Telefónica Deutschland nun wieder ein vierter Player im Markt ist, von dem die Kunden profitieren können. Wie er sich einfindet und ob er sich als „Schmarotzer“ der Versorgung der ländlichen Regionen durch die anderen Betreiber mästen kann sei dahingestellt. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass ein Sharing der Infrastrukturen durchaus den Markt positiv beeinflussen und die Kräfte des Wettbewerbs stärken kann – und Regulierung wird vor allem für die Förderung des Wettbewerbs gemacht und nicht für die Stärkung der Monopolkraft einzelner Anbieter, auch wenn das manchmal falsch verstanden wird.

Gut ist, dass insbesondere die speziellen Anwendungen – Use Cases genannt – für die Industrie sich in gesonderten Frequenzbereichen abspielen können, die erst demnächst vergeben werden. So kann sich teure Technik auf diese beschränkten Gebiete konzentrieren und der technische Fortschritt in diesen Segmenten wird nicht durch Netzbetreiber begrenzt.

Die Diskussion um die Höhe der Versteigerungsergebnisse ist aus meiner Sicht unangebracht, da sie von denen geführt wird, die diese Gebote abgegeben haben und die offensichtlich Wettbewerb nicht als solchen verstehen wollen. Warum haben sie denn Gebote abgegeben, sich immer weiter in die Höhe treibend? Das gehört zum Business Case bzw. ist in ihm enthalten, den letztendlich immer die Nutzer bezahlen. Nur die Nutzer dürften daher jammern, warten aber eher auf die tollen Dienste, die vollmundig angekündigt wurden und nun kommen sollen. Aber das war mit der UMTS Versteigerung auch schon so, bei zehnfachen Versteigerungsausgaben für die Netzbetreiber.

Spannend bleibt, wie die Infrastruktur zur Anbindung der Mobilfunktürme zur Verwendung hoher Frequenzen in den dünn besiedelten Gebieten geschaffen werden sollen. Ich vermute, das geht nur unter Verwendung eines Subventions-gestützten flächendeckenden FTTH-Ausbaus, also auch Subventionen für den Mobilfunk, die aus den Versteigerungserlösen der neuen Mobilfunkfrequenzen stammen. Ein Zirkelschluss? Ich meine nein, weil die Hauptzielrichtung die flächendeckende Festnetzversorgung ist und der Mobilfunk nach wie vor komplementär bleibt, qualitativ schlechter und langsamer, im Durchsatz schlechter, aber eben mobil. Das schließt einen Fixed Wireless Anschluss in streubesiedelten Gebieten nicht aus, im Einzelfall.

Die Telekommunikationswelt bleibt weiterhin spannend, so dass ich diesbezüglich weiterhin positiv in die Zukunft schaue. Einen schönen Sommer wünscht Ihnen

 

Thomas Plückebaum

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